Climate Action

Wie die Wiedervernässung von Mooren Landwirtschaft, Klimaschutz und Wirtschaft verbindet

Anna Maria Link

Aug 3, 2026 - 9 min read

Was jahrzehntelang trockengelegt wurde, soll heute wieder unter Wasser stehen. Entwässerte Moorböden verursachen rund sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen. Damit rückt ihre Wiedervernässung ins Zentrum der Frage, wie Landwirtschaft, Klimaschutz und wirtschaftliche Perspektiven zusammen gedacht werden können – eine Frage, der sich die Werkstatt des Wandels der BMW Foundation Herbert Quandt in Nantesbuch widmete. 

Es gibt Orte, an denen die Landschaft wie ein Geschichtsbuch ist. Man muss nur lernen, sie zu lesen. Wer heute durch Nantesbuch im bayerischen Voralpenland geht, sieht Wiesen, Wälder und Moore. Ein Bild, das Ruhe ausstrahlt. Kaum etwas erinnert daran, dass hier über Jahrtausende hinweg gewaltige Kräfte am Werk waren – Eis, Wasser und schließlich der Mensch. „Nach der letzten Eiszeit war das hier ein großer See“, erklärt Lorenz Bücheler, Leiter Natur und Landschaft der Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch. Erst als sich das Wasser langsam zurückzog, entstanden Moore. Über Jahrtausende lagerten sich abgestorbene Pflanzen unter dauerhaft nassen Bedingungen ab. Zentimeter für Zentimeter entstand ein Boden, der heute zu den größten natürlichen Kohlenstoffspeichern Europas zählt. 
Aerial view of a dense forest canopy with varying shades of green and brown, showing a mix of trees and vegetation.
Aerial view of forest and peatland on the grounds of Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch.
Noel Laas
A man in a blue shirt points to a map on an easel during an outdoor presentation, with onlookers observing attentively.
Lorenz Bücheler, Head of Nature and Landscape at Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch, explains the Nantesbuch site.
Noel Laas
Lange galt genau das als Problem. Moore waren nass, schwer zu bewirtschaften und wirtschaftlich kaum nutzbar. Also wurden sie entwässert. Gräben wurden gezogen, Drainagen verlegt, Flächen urbar gemacht. Was damals als technische Meisterleistung gefeiert wurde, prägt bis heute ganze Landstriche. Über Generationen lernten Landwirtinnen und Landwirte, das Wasser möglichst schnell aus dem Boden zu bringen. Heute lautet die Aufgabe plötzlich: das Gegenteil. Wasser soll zurück in die Landschaft. Gräben werden verschlossen, Drainagen unterbrochen, Moore wiedervernässt. Was früher Fortschritt bedeutete, gilt heute vielerorts als Voraussetzung für wirksamen Klimaschutz. Kaum ein Thema macht deutlicher, wie sehr sich unser Blick auf Landwirtschaft verändert hat. Denn es geht längst nicht mehr nur um Lebensmittel. Es geht um Wasser. Um Energie. Um Biodiversität. Um Kohlenstoff. Und um die Frage, welchen wirtschaftlichen Wert all das künftig haben könnte. 
A group of people, including a man with a shovel, walk along a tree-lined path on a sunny day.
Participants of the Werkstatt des Wandels during a field visit to the peatland.
Noel Laas
A group of people stand on a grassy path in a wooded area, listening to a person pointing at an informational sign.
Participants in the Werkstatt des Wandels at the Mooseurach ICOS measurement station, an associated observation site of the Integrated Carbon Observation System (ICOS) operated by Weihenstephan-Triesdorf University of Applied Sciences (HSWT).
Noel Laas
Water buffalo submerged in a muddy pond, with only its head and curved horns visible, surrounded by grassy landscape.
Water buffalo on the grounds of Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch.
Noel Laas
A serene marshland with tall grasses surrounding a still pond, bordered by sparse trees under an overcast sky.
Wetlands in Nantesbuch.
Noel Laas
A group of people walking through a grassy field towards a forest in the background under a clear sky.
Participants on their field trip.
Noel Laas
Aerial view of a lush green pasture with a small pond, scattered trees, and a few grazing cows, bordered by a dense forest.
Aerial view of part of the Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch site.
Noel Laas
Genau deshalb folgten im Juli Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik der Einladung der BMW Foundation Herbert Quandt nach Nantesbuch auf das Gelände der Stiftung Kunst und Natur. Die Werkstatt des Wandels ist ein Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen, Zielkonflikte offen benannt und gemeinsam neue Lösungsansätze entwickelt werden. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die weit über das bayerische Oberland hinausreicht: Kann Landwirtschaft künftig gleichzeitig Lebensmittel produzieren, Energie liefern, das Klima schützen – und davon wirtschaftlich leben?  Die Antworten beginnen wenige Kilometer entfernt. Auf Gut Mooseurach steht Andreas Schmidt auf einer Fläche, die auf den ersten Blick unspektakulär wirkt. Grünland. Dazwischen Entwässerungsgräben. Für ihn ist diese Fläche vor allem eines: ein Wendepunkt. 

Werkstatt des Wandels

Germany is undergoing profound change. Industry, energy systems and entire regions are being reshaped by decarbonization, digitalization and a world marked by growing geopolitical and economic uncertainty. The Werkstatt des Wandels brings people to the places where this future is already taking shape.  In 2026, the series will visit key locations at the forefront of the energy transition, industrial transformation and digital sovereignty. We will explore one defining question: How can transformation strengthen economic prosperity, social cohesion and democratic resilience at the same time?

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„Wir sehen das eigentlich schon: Die Fläche wird schlechter“, sagt der Betriebsleiter von Gut Mooseurach. „Das Moor baut sich ab. Der Kohlenstoff geht in die Luft. Für uns ist eigentlich eindeutig: Das muss wieder nass werden.“Schmidt bewirtschaftet den Betrieb seit vielen Jahren. Rund 200 Hektar Grünland, fast 500 Hektar Wald, ökologische Landwirtschaft und Direktvermarktung. Kein Betrieb, der schnellen Trends hinterherläuft. Und doch plant er etwas, das noch vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte. Auf einem wiedervernässten Moor soll künftig eine Moor-Photovoltaikanlage entstehen. Nicht als Ersatz für Landwirtschaft, sondern als Ergänzung. „Die Anlage wird auf Moorboden installiert“, erklärt Schmidt. „Und wenn man das tun möchte, dann darf man das auch nur in Kombination mit Wiedervernässung. Genau diese Kombination ist sinnvoll.“ Die Idee wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Wasser zurück ins Moor bringen und gleichzeitig Strom erzeugen. Tatsächlich steht sie exemplarisch für einen grundlegenden Wandel. Wo früher jede Nutzung gegeneinander ausgespielt wurde – Landwirtschaft oder Naturschutz, Energie oder Lebensmittel –, entstehen plötzlich Modelle, die mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen sollen: Lebensmittel dort, wo Böden dafür geeignet sind. Erneuerbare Energie dort, wo sie sinnvoll ist. Klimaschutz durch nasse Moore. Neue Rohstoffe für Bau- und Dämmstoffe. Und zusätzliche Einkommensquellen für landwirtschaftliche Betriebe. 

„Das Moor baut sich ab. Dabei wird Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Für uns ist klar: Das Moor muss wieder nass werden.“

Andreas Schmidt

Farm Manager at Gut Mooseurach

Schmidt weiß, dass das nicht romantisch ist. Es bedeutet neue Genehmigungen, neue Partner, neue Risiken und hohe Investitionen. „Ich bin in erster Linie Landwirt“, sagt er. „Und war überrascht, was es alles braucht und wo die Schwierigkeiten im Detail stecken.“ Die größte Veränderung besteht deshalb nicht nur in einer neuen Technologie. Sie besteht in einer neuen Rolle. Landwirtschaft soll künftig nicht mehr ausschließlich Nahrungsmittel erzeugen. Sie soll gleichzeitig Energieproduzentin sein, Kohlenstoff speichern, Wasser in der Landschaft halten und Lebensräume erhalten. Eine Aufgabe, die größer ist als jeder einzelne Betrieb. Und größer als jedes einzelne Moor. Denn was hier in Nantesbuch diskutiert wird, ist letztlich die Frage, welchen Wert Boden künftig haben wird. Nicht nur als Produktionsfläche. Sondern als Infrastruktur für die Klimawende. Im Moor beginnt deshalb gerade eine Debatte, die weit über die Landwirtschaft hinausweist. Sie betrifft Energieversorgung, Industriepolitik, regionale Wertschöpfung und den Umgang mit einer Ressource, die jahrzehntelang vor allem eines sein sollte: trocken. 
Aerial view of a grassy field with light green and brown patches and faint tire marks creating diagonal lines across the landscape.
Aerial view of peatland on the grounds of Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch.
Noel Laas

Warum Deutschlands Böden plötzlich strategisch werden

Wer verstehen will, warum ein Landwirt wie Andreas Schmidt darüber nachdenkt, Moore wieder zu vernässen, muss den Blick vom einzelnen Betrieb lösen. Denn die Geschichte beginnt nicht auf einem Feld. Sie beginnt unter der Oberfläche. „Moore sind über Jahrtausende gewachsen“, sagt der Professor für Vegetationsökologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Matthias Drösler.   Solange ein Moor nass bleibt, bleibt dieser Kohlenstoff im Boden gebunden. Erst wenn das Wasser verschwindet, beginnt der Torf zu zerfallen. Aus einem Kohlenstoffspeicher wird eine Emissionsquelle. Obwohl Moore nur einen vergleichsweisen kleinen Teil der Landesfläche ausmachen, verursachen entwässerte Moorböden rund sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands. „Das ist mehr als der gesamte innereuropäische Flugverkehr“, ordnet Drösler ein.  

„Sie speichern enorme Mengen an Kohlenstoff – mehr als jedes andere Ökosystem an Land.“ 

Matthias Drösler

Weihenstephan-Triesdorf University of Applied Sciences

Die Schlussfolgerung liegt nahe: Wer Klimaschutz ernst meint, kommt an der Frage der Landnutzung nicht vorbei. Doch genau hier beginnt der eigentliche Zielkonflikt. Denn Moore sind nicht nur Lebensräume. Sie sind häufig auch landwirtschaftliche Nutzflächen – bewirtschaftet von Familien, deren Betriebe seit Generationen auf entwässerten Böden wirtschaften. „Man muss sich klarmachen: Die Menschen haben damals genau das getan, was politisch gewollt war“, ordnet Lorenz Bücheler ein. Moore wurden trockengelegt, um Acker- und Grünland zu gewinnen. Das galt als Fortschritt, wurde staatlich gefördert und über Jahrzehnte als Erfolgsgeschichte erzählt.  Heute stehen dieselben Betriebe vor einer völlig neuen Erwartung. Sie sollen Wasser zurückhalten statt ableiten. Sie sollen Kohlenstoff speichern statt Emissionen verursachen. Und sie sollen dabei wirtschaftlich bestehen. Für Drösler liegt genau darin der entscheidende Perspektivwechsel. „Wir dürfen die Landwirte nicht als Verursacher sehen“, sagt er. „Sie sind diejenigen, die die Lösung umsetzen können.“  Dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch die Gespräche in Nantesbuch. Nicht Verzicht steht im Mittelpunkt. Sondern die Frage, wie Klimaschutz zu einem tragfähigen Geschäftsmodell werden kann. Denn die Landwirtschaft übernimmt längst Aufgaben, die weit über die Produktion von Lebensmitteln hinausgehen.  Sie erzeugt erneuerbare Energie, bewirtschaftet Landschaften, die Wasser speichern und Biodiversität fördern, und kann – wenn die Rahmenbedingungen stimmen – zu einer der größten natürlichen Kohlenstoffsenken Europas beitragen. 

Hintergrund: EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur 

Seit August 2024 verpflichtet die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme schrittweise wiederherzustellen. Moore nehmen dabei eine zentrale Rolle ein: Für landwirtschaftlich genutzte Moorböden sieht die Verordnung konkrete Wiederherstellungsziele bis 2030, 2040 und 2050 vor. Die Wiedervernässung durch Landwirtinnen und Landwirte bleibt freiwillig; die Umsetzung erfolgt über nationale Wiederherstellungspläne. 

„Am Ende entscheidet die wirtschaftliche Perspektive. Wenn Landwirte sehen, dass eine neue Form der Bewirtschaftung in der Praxis funktioniert, verlässlich nachgefragt wird und Einkommen sichert, können aus guten Einzelprojekten tragfähige Geschäftsmodelle werden“, sagt Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.  Genau diese Voraussetzungen wurden auch in Nantesbuch immer wieder genannt: verlässliche politische Rahmenbedingungen, funktionierende Wertschöpfungsketten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Erst wenn diese Bausteine zusammenkommen, können aus einzelnen Pilotprojekten Lösungen werden, die sich in der Breite tragen. Die größere Herausforderung besteht darin, neue Märkte zu schaffen. Denn die eigentliche Frage lautet längst nicht mehr, ob Moore einen Wert für den Klimaschutz haben. Sondern, wer bereit ist, für diesen Wert zu bezahlen. 

Wenn Klimaschutz Wertschöpfung schafft 

Die Idee, landwirtschaftliche Betriebe für Klimaschutz und andere Leistungen der Natur zu vergüten, ist nicht neu. Bislang wurde sie jedoch vor allem in Förderprogrammen und einzelnen Modellprojekten erprobt. Nun rückt eine weitergehende Frage in den Mittelpunkt: Können Kohlenstoffspeicherung, Wasserrückhalt und der Erhalt von Lebensräumen zu verlässlichen Einnahmequellen für landwirtschaftliche Betriebe werden?  „Die Landwirtschaft hat in Zukunft die Chance, nicht nur Lebensmittel zu produzieren, sondern auch Ökosystemleistungen bereitzustellen“, sagt Jonas Galdirs, Geschäftsführer von CO₂.regio. „Diese Leistungen haben einen Wert – und sie müssen künftig auch wirtschaftlich anerkannt werden.“ Gemeint sind Leistungen, die bislang meist selbstverständlich erschienen: Kohlenstoff im Boden speichern, Wasser in der Landschaft halten, Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten. Je stärker Unternehmen unter Druck geraten, ihre Klimaziele zu erreichen, desto größer wird das Interesse an genau diesen natürlichen Klimaleistungen. Für Landwirtinnen und Landwirte könnten daraus neue Einnahmequellen entstehen – nicht als Ersatz für die Landwirtschaft, sondern als zusätzliche Säule eines Betriebs. 

„In Zukunft bietet sich der Landwirtschaft die Chance, nicht nur Lebensmittel zu erzeugen, sondern auch Ökosystemleistungen zu erbringen.“

Jonas Galdirs

Managing Director of CO₂.regio

Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells

Doch zwischen dieser Idee und ihrer Umsetzung liegt noch ein weiter Weg. Denn ein Markt entsteht nicht von selbst. Er braucht klare Regeln, transparente Standards und Vertrauen. Vor allem aber braucht er Betriebe, die bereit sind, neue Wege zu gehen – und politische Rahmenbedingungen, die langfristige Investitionen ermöglichen. Genau an diesem Punkt trafen sich die Perspektiven in Nantesbuch. Ob Wissenschaft, Landwirtschaft, Wirtschaft oder Politik – kaum ein Thema wurde häufiger genannt als Planungssicherheit. Wer Flächen wiedervernässt, investiert für Jahrzehnte. Wer neue Kulturen anbaut oder in Moor-Photovoltaik investiert, braucht verlässliche Genehmigungen, funktionierende Absatzmärkte und die Gewissheit, dass politische Ziele nicht mit jeder Legislaturperiode neu verhandelt werden. Die Teilnehmenden der Werkstatt waren sich deshalb einig: Nicht fehlende Technologien bremsen den Wandel, sondern fehlende Strukturen, die ihn in die Breite tragen. Für Andreas Schmidt ist das keine theoretische Debatte. Er muss entscheiden, welche Investitionen sein Betrieb in den kommenden Jahren trägt. Ob neue Ideen wirtschaftlich funktionieren, zeigt sich nicht auf Konferenzen, sondern auf dem Konto am Ende des Jahres.  
People seated at long tables in a modern dining area, with two individuals presenting near a screen at the front.
Participants connecting over lunch.
Noel Laas
A person holding a large clump of moss and grass outdoors, wearing a navy shirt with a name tag.
A person holding a large clump of moss.
Noel Laas
A person walks along a gravel path beside a wooden building, with purple flowers in the foreground and greenery on the side.
Lange Haus Nantesbuch
Noel Laas
„Wir brauchen Perspektiven, mit denen wir als Betrieb langfristig planen können“, sagt er. Nur dann seien Landwirte bereit, den Wandel mitzugehen. Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis der Werkstatt des Wandels. Die Diskussion drehte sich nicht darum, ob Landwirtschaft Klimaschutz leisten kann. Dass sie dazu in der Lage ist, daran zweifelte in Nantesbuch kaum jemand. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wie aus dieser Leistung ein tragfähiges Geschäftsmodell wird. Wie sich Klimaschutz, Energieerzeugung und Lebensmittelproduktion so miteinander verbinden lassen, dass Betriebe wirtschaftlich bestehen können. Wie neue Allianzen zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik entstehen, die den Wandel nicht nur beschreiben, sondern ermöglichen. Die eigentliche Arbeit beginnt deshalb erst jetzt. Die Impulse aus Nantesbuch fließen in einen Policy Brief ein und sollen konkrete Empfehlungen für Politik und Praxis liefern. Entscheidend wird jedoch sein, ob aus den Gesprächen Partnerschaften entstehen, die sich außerhalb des Tagungsraums bewähren – auf landwirtschaftlichen Betrieben, in Unternehmen, in Verwaltungen und entlang neuer Wertschöpfungsketten. Im Moor wirken Veränderungen leise. Das Wasser kehrt zurück. Pflanzen breiten sich aus, wo der Boden über Jahrzehnte entwässert wurde. Genau hier wird sichtbar, worüber in Nantesbuch diskutiert wurde: dass Transformation nicht mit einer einzelnen Technologie oder einem politischen Beschluss beginnt, sondern mit einem neuen Verständnis davon, welchen Wert eine Landschaft haben kann.  Vielleicht liegt genau darin die Zukunft der Landwirtschaft: nicht zwischen Klimaschutz und wirtschaftlichem Erfolg zu wählen, sondern beides zusammenzudenken. Wenn sich der Wert eines Bodens künftig nicht mehr allein an seinem Ertrag bemisst, sondern auch an seinem Beitrag für Klima, Natur und Gesellschaft, verändert sich nicht nur die Landschaft. Es verändert sich die Vorstellung davon, was Landwirtschaft sein kann.